Martin
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Gedanken-Tüdelüt (58): Lieber Musik-PR-Mensch …

Lieber Musik-PR-Mensch,

ich weiß schon gar nicht mehr, wann wir uns das erste Mal (virtuell) begegnet sind, aber es ist gefühlt eine Ewigkeit her. Eine Ewigkeit, in der wir viel miteinander geschrieben haben, wobei du deutlich redseliger bist, als ich.

Ich beneide dich nicht um deinen Job, habe aber sehr viel Respekt dafür. Den ganzen Tag irgendwelche Presse-Mitteilungen schreiben, Termine planen und zusehen, dass die einzig wahre Musik deines aktuellen Klienten so viel Gehör bekommt, wie nur möglich – das ist bestimmt ein harter Job. Gerade heutzutage, wo doch im Radio der immer gleiche Mist läuft und sowieso alle nur noch über Spotify und Co. das hören, was sie wollen.

via Giphy

Früher hat es noch gereicht, bei VIVA und MTV ein Stein im Brett zu haben, heute ist Kreativität gefragt. Aber zum Glück gibt es auch für dich das Internet mit all seinen Möglichkeiten und darin natürlich auch der eine oder andere Blogger, dem du ganz kostenlos schreiben kannst.

Ich hab unsere „Zusammenarbeit“ immer als Symbiose gesehen (und tue es auch heute noch). Du zeigst mir, was du hast und wenn es mir gefällt, dann schreibe ich drüber. Als Gegenleistung für meine Reichweite nehme ich mir einfach die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann und wie ich schreibe – was eigentlich völlig normal sein sollte. Dafür rettest du mir immer den gebloggten Freitag, für den ich nicht händeringend nach Content suchen muss – du lieferst ihn mir frei Haus.

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Das funktioniert super, sogar so sehr, dass nicht nur du mir schreibst, sondern ganz viele von deiner Sorte – führt allerdings leider dazu, dass ich dir nicht mehr häufig antworten kann, da die Masse einfach zu groß ist. Aber auch damit kommst du zu Recht, du hast aber auch nicht wirklich eine Wahl. Das tut mir leid, lässt sich aber nicht ändern.

Was mir aber in letzter Zeit immer häufiger auffällt: du gibst dir nicht mehr richtig Mühe. Und wenn du es tust, dann eben deine Kollegen nicht.

Da kommen E-Mails mit Links zu Videos, die nicht mehr existieren oder aufgrund der GEMA-Spielverderber gesperrt sind. Da kommen Anfragen zu Konzertankündigungen, ohne ein Bild oder auch nur irgendeine Form von Möglichkeit, vorab die Schaffenskraft deines Kunden unter die Lupe zu nehmen. Oder ganze Linklisten ohne jegliche Infos zu Künstler und seinem Song.

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Das funktioniert leider so nicht.

Ich fang ja noch nicht mal an, dass es eigentlich nett wäre, wenn du vorher schaust, was für Musik ich mag – immerhin gibt es eine eigene Kategorie, durch die du dich vorher klicken könntest. Das würde nicht nur mir Zeit sparen, sondern auch dir – vielleicht sogar Geld, wenn du einen der zahlreichen, kostenpflichtigen Mailversender wie Mandrill oder Sparkpost nutzt, damit deine Mails auch sauber in meinem Posteingang ankommen.

Aber ich sehe es so: du möchtest etwas von mir, mindestens meine Reichweite, idealerweise auch noch sowas wie eine Empfehlung. Influencer-Zeug, wie man heutzutage so schön sagt. Und ich möchte dir das gern geben, wirklich – sofern es denn nach meinem Geschmack passt.

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Wenn du mir aber lieblos Mails schickst, in denen ich keine Infos finde, mich nicht von der Musik überzeugen kann und erst umständlich selbst recherchieren muss (was ich in diesem Fall nicht mache!), dann haben wir beide verloren. Du allerdings mehr als ich. Und das mach ich nicht, weil ich so eine kleine Diva bin – versetz dich aber einfach mal in meine Lage oder viel besser noch, in die eines Lesers.

Da kommst du auf einen Beitrag über einen Künstler, den du nicht kennst, von dem du vielleicht sogar noch nie etwas gehört hast. Aber du hast Bock auf was Neues, also fängst du an zu lesen. Und irgendwie klingt das alles auch recht vielversprechend – nur eine Kostprobe, die findest du nicht. Und was machst du dann? Selbst danach suchen?

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Hahaha, c’mon. Im Zeitalter von Snapchat, in denen die Mehrzahl der Internetkonsumenten die Auf­merk­sam­keits­span­ne eines Eichhörnchens haben, ist der verloren, der nicht sofort das bekommt, was er in der jetzigen Sekunde will. Jeder Klick mehr, jeder Tastenschlag zu viel, kostet wertvolle Lebenszeit und Kalorien, die keiner zu verschenken hat.

Und auch ich bin Leser. Leser deiner Mail und mir geht es genauso.

Worauf ich hinaus will: von mir aus schmeiß mich zu mit E-Mails, von mir aus auch mit Hip-Hop und irgendwelchen Pseudo-Rappern. Aber wenn du das machst, dann sieh wenigstens zu, dass ausreichend (!!) Infos enthalten sind und die Links, die du mitschickst, funktionieren. Ich brauche keine Romane, aber mehr als 3 Sätze sollten schon enthalten sein. Denn eines darfst du auch bei deinem stressigen Alltag nicht vergessen: du möchtest etwas von mir.

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Wenn wir das hinkriegen, dann können wir vielleicht sogar Facebook-Freunde werden. Wär das nicht super?

PS: Und sei bitte nicht sauer, dass ich so selten antworte. Du kennst das ja, dein Tag hat bestimmt auch nur 24 Stunden.

Kürzlich

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  1. Viel schlimmer finde ich das ständige Nachhaken, ob man nicht was machen will, das keinem was bringt und nur Zeit stiehlt. :/ Ja, deren Job, aber wenn man x-fach hat verlauten lassen, bei all den Rundmails nur zu antworten, WENN man etwas macht, wird es irgendwann arg nervig. Und letztens hatte ich mal wieder einen Fall, in dem sich an einem Wort in meinem Text aufgehangen wurde („Durch das ‚anscheinend‘ könnten die Leute denken, dass du die Info nicht von uns bekommen hast und unzureichend versorgt warst“) – sobald die meinen, reinzupfuschen und inhaltlich Ansprüche zu stellen, wird es anstrengend. Nach einem beispiellosen Rage-Mailwechsel bin ich zum Glück von deren Verteiler genommen worden…

    • Martin

      Ja, das Nachfragen nervt. Behandel ich aber genauso wie alle anderen Mails – wenn kein Link drin ist, der mir den Song zeigt, wird sie direkt ignoriert, ansonsten kurz noch mal reingehört und ein schnelles Urteil gefällt. Antwort gibt es da so oder so nicht, weil wegen keine Zeit und so …

      Die Reinpfuschnummer ist aber schon sehr hart. Würde ich gar nicht akzeptieren, gerade weil es keine Gegenleistung gibt. Ist mir zum Glück noch nicht untergekommen, vielleicht bin ich bisher aber auch nur an die Netten geraten

      • Ich sehe die Gegenleistung dann halt in möglichen Konzertbesuchen, Tourpräsentationen und frühzeitigen Bemusterungen von Alben. Aber ja, wirklich die Waage hält sich das Verhältnis dann vermutlich selten.

        • Martin

          Das sind aber auch recht kleine Gegenleistungen. Ich hab da immer die normalen Advertorial-Preise im Hinterkopf. Und wie schon geschrieben, ist das ein gegenseitiges Geben und Nehmen – da ist kein Platz für übertriebene Forderungen/Einmischungen

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