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Gedanken-Tüdelüt (47): Geliebte Routine | Was is hier eigentlich los?
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Gedanken-Tüdelüt (47): Geliebte Routine

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© bigstockphoto / Yulia Buchatskaya

Man hört es ja immer wieder: Routine ist tödlich. Wer Tag ein, Tag aus immer nur das Gleiche macht, kommt von sich aus nicht an neue Ufer, stumpft langfristig ab und verkümmert irgendwann zu einer seelenlosen Maschine.

Die Lösung, na klar: Alkohol! Oder halt Abwechslung. Neue Herausforderungen, ständig veränderte Rahmenbedingungen und somit immer wieder ein neues Strapazieren für Körper und Geist. Klingt doch toll oder?

Das ist allerdings genauso pauschal wie die Weltanschauung eines AfD-Wählers. Viel mehr noch: ich mag Routine, bis zu einem gewissen Grad sogar sehr. Da wäre zum Beispiel die immer gleiche Zeit, zu der ich unter der Woche aufstehe : 5 Uhr.

Während die Welt draußen noch friedlich schlummert (und von weniger Routine träumt), kann ich mich schon mal in Ruhe fertigmachen, solange auf dem Klo hocken wie ich will, nahezu geräuschlos und in völliger Dunkelheit Kaffee kochen, mich an meinen Rechner setzen und dem Tag mal zeigen, wer dem frühen Vogel den wurmigen Mittelfinger ausgestreckt hat.

Darauf basierend ergibt sich auch schon die Abend-Routine bei uns im Haus: gegen 20 Uhr komm ich aus dem Arbeitszimmer gekrochen, gehe duschen, esse gemeinsam mit Line zu Abend und beginne die Fernsehunterhaltung. Mit Macbook vor der Nase. Und dem Smartphone. Und sowieso nicht wirklich aufpassend.

Wenn nichts dazwischenkommt, geht es gegen 21 Uhr aufs Sofa und wir schauen gemeinsam ablenkungsfrei die nächste Stunde weiter (wobei selbst das TV Programm sowas wie Routine ist, denn je nach Zeit ist es aktuell eine Folge Suits oder Modern Family. Oder zwei. Oder drei.)

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Jetzt möge man sich vorstellen, diese Routine würde nicht existieren. Ich würde mal um 3 Uhr aufstehen, mal um 12 Uhr – ins Bett gehen wir mal um 3 Uhr morgens, mal um 18 Uhr. Mein Biorhythmus hätte bereits vor Jahren aufgegeben und wäre jetzt Präsident der USA – wer will denn sowas? Augenringe bis in die Kniekehlen und ein Teint, der irgendwo zwischen Tatortleiche und dem Auenland liegt.

Genauso ist es bei uns Routine, dass wir samstags zum Bäcker fahren und gemeinsam Brötchen holen. Könnte man auch am Sonntag machen oder sich einfach selbst welche aufbacken – aber ein Wochenende kann nur erfolgreich sein, wenn es die Brötchen von unserem Stammbäcker sind und das definitiv am Samstag. Leben am Limit? Gern, aber nicht Samstag morgen.

Es ist genau diese Routine, die ich sehr mag – diese kleinen Momente und Richtlinien im Alltag, die einem das Gefühl von sowas wie einer Richtung geben, ja vielleicht sogar Sicherheit, definitiv eine Ordnung.

Für manche mag das durchgetaktet und wie ein enges Korsett klingen – ich find es aber einfach super. Und vermeide dadurch Phasen des Leerlaufes, in denen ich mal wieder meine Arme zählen könnte.

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Vielleicht ist das Erfolgsrezept auch einfach, dass es die perfekte Mischung zwischen Durchtaktung und Freiheit bzw. Abwechslung ist. Denn klar ist auch: wer jede Minute seines Tages verplant, kann sich tatsächlich nicht mehr bewegen – schon gar nicht, wenn es doch mal erforderlich ist.

Und was definitiv hilft: eine Todolisten-App, die sich über alle genutzten Geräte hinweg synchronisiert. Aber das ist noch mal ein anderes Thema.

Fazit, wenn man so will: Routine ist wie Salz. Zu viel ist ungesund, zu wenig macht aber auch keinen Spaß.

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Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert.
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