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Und plötzlich macht das Internet keinen Spaß mehr - Gedankentüdelüt (102) | Was is hier eigentlich los Und plötzlich macht das Internet keinen Spaß mehr - Gedankentüdelüt (102) | Was is hier eigentlich los

Und plötzlich macht das Internet keinen Spaß mehr – Gedankentüdelüt (102)

Und plötzlich macht das Internet keinen Spaß mehr - Gedankentüdelüt (102) | Kolumne | Was is hier eigentlich los?

Wir lieben Blogs – auch noch Wochen nach der eigentlichen Aktion. Toller Nebeneffekt, den ich festgestellt hab (der aber leider wieder ein bisschen abgeflaut ist): einige haben wieder angefangen, zu bloggen. Traurigerweise ist mir selbst erst aufgefallen, dass da nichts mehr kam, nachdem sie wieder angefangen haben. Aber darum soll es nicht gehen, sondern viel mehr um die Gründe, warum es eingeschlafen ist.

Denn doch überraschend viele haben geschrieben, dass sie die Lust und Liebe am Netz verloren haben. Überraschend, da für mich eher sowas wie private Dinge und fehlende Zeit richtige Gründe sind – aber sei es drum.

Überraschend finde ich das insofern, da jeder mit seinem Blog – und sei er noch so klein – das Netz mitgestaltet. Manche lauter, manche leiser, aber sie tun es. Reflektierend muss ich allerdings auch sagen: es ist nachvollziehbar.

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Sei es nun die DSGVO, die dermaßen hochgekocht ist, dass eigentlich niemand mehr in der Lage war, den Scheiß wieder aufzuwischen. Wie sich zeigt, alles umsonst, denn der ganz große Ärger blieb aus (sieht man mal von der einen oder anderen Agentur ab, die zum Stichtag tatsächlich Abmahnungen verschickt hat – Arschlöcher gibt es eben überall).

Oder die EU-Urheber-Reform in Form von Artikel 13, die fürs Erste zum Glück verhindert wurde – ich befürchte aber dennoch, dass ein zweiter Wurf kommen wird und der wird mit Sicherheit nicht bejubelt werden können.

Aber selbst diese Schweinereien sind noch nicht mal die Basis, sondern der Umgang der Leute miteinander. Ich weiß nicht, ob man das schon als Spiegel der Gesellschaft bezeichnen kann, aber es fällt einfach auf, dass die Leute miteinander immer weniger klarkommen – die Diskussionskultur geht uns verloren. Und damit meine ich nicht, dass niemand mehr Bock auf Diskussionen hat, aber die Art und Weise hat sich in letzter Zeit in eine Richtung entwickelt, bei der man eigentlich alle nur in einen Sack stecken und draufschlagen kann. Man trifft ohnehin immer den Richtigen.

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Bestes Beispiel ist der Post von Maik (der mir passend für diese Woche in die Karten spielt). Ein Bild von einem brennenden Haus, dass ein Hochzeitspaar zufällig als Fotokulisse benutzt hat. Kann man machen, kann man lassen – muss jeder für sich selbst beurteilen.

Aber ein Blick in die Kommentare zeigt, worauf ich hinaus will: es ist offensichtlich gar nicht mehr möglich, mit unterschiedlichen Meinungen nebeneinander zu existieren. Auf Twitter gab es für Maik sogar direkt einen Block aufgrund unterschiedlicher Meinungsauffassung.

Und das zeigt eben auch die Kehrseite des Internets und seiner (Meinungs)Möglichkeiten: es ist nicht nur ein Sammelsurium unterschiedlicher Ansichten – es führt mittlerweile dazu, dass sich jeder seine eigene kleine Welt bastelt. Und in der darf es nur noch das geben, was zu den eigenen Ansichten passt.

Dabei war doch das Netz der ideale Platz, um seinen Horizont zu erweitern und auch andere Ansichten kennen zu lernen. Vielleicht sogar ein Umdenken bei sich selbst ermöglicht zu bekommen.

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All das scheint mittlerweile vorbei. Es gibt nur noch Schwarz und Weiß und wer nicht in die selbe Richtung geht, wie man selbst, liegt falsch, ist falsch und muss weg. Und das spiegelt dann vielleicht doch ganz gut wieder, wie so eine AfD funktioniert, wie die Vollidioten so groß werden konnten und warum alles gerade ein bisschen beschissener ist als sonst. Weil es eben einfacher ist, in den immer gleichen Kanon einzustimmen, statt sich mit anderen Meinungen auseinander zu setzen und einen gemeinsamen Konsens zu finden. Oder zumindest nebeneinander existieren zu können.

Und irgendwann kann dann selbst ich verstehen, dass Leute einfach keinen Bock mehr auf das Netz haben. Vielleicht brauchen wir nicht nur Wir lieben Blogs, vielleicht brauchen wir auch ein Wir lieben das Internet und Wir lieben Menschen.

Oder anders ausgedrückt: beruhigt euch alle mal wieder, reißt euch ein bisschen zusammen und handelt nach der Devise „Leben und leben lassen“. So schwer kann das ja nicht sein, hat immerhin vorher auch funktioniert.

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Über Martin

Technikbegeistert und immer auf der Suche nach spannenden, beeindruckenden und/oder lustigen Themen schreibt Martin neben seinem Hauptberuf täglich mehrere Artikel für wihel.de. Oder wie er es beschreibt: Andere teilen ihre Internetperlen lediglich mit ihren Freunden, wir teilen Sie mit allen, die es interessiert. Alle Beiträge von Martin ansehen.

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Kommentare

  1. Wenn man täglich erstmal 1-2 Stunden damit beschaftigt ist, seine Seiten gegen 100te Angriffe zu imunisieren, macht das auch kein Spaß mehr. Ich bin mit den ersten Bits noch “per Du” gewesen. Mit 4- und 8-bittern aufgewachsen, waren die technischen Herausforderungen mit begrenzten Ressourcen eine echte Herausforderung. Heute weiß ich nicht mal mehr im Ansatz, was mein Betriebssystem im Hintergrund macht. Ich weiß nicht, wer überhaupt noch vertrauenswürdig ist. Das Netz versucht dich zu beklauen, wenn die Haustür ins Schloß fällt, lungern auch die ersten Ganoven um einen herum. Mittlerweile ist das Netz ein Schlachtfeld auf dem auch supranationale Gangster und ganze Regierungen immer dreister agieren. Macht alles keinen Spaß mehr. Nicht mal Kneipe macht mehr Spaß. Da sitzen 4 verdruckste Gestalten an der Bar. Dröhnendes Schweigen. Bläuliches Leuchten im Gesicht. Abweisend. Latent aggressiv. Ich ziehe den Stecker.

    • Das ist mir a) deutlich zu radikal und eindimensional und b) hart unglaubwürdig, wenn man bewusst ein Trash-Mail-Postfach nutzt. Passt zumindest für mich nicht mit dem Wunsch nach Vertrauenswürdigkeit im Netz zusammen. Aber ja, eine gewisse Vorsicht schadet nicht – gilt allerdings genauso für die Offline-Welt.

  2. Das Internet ist einfach nur ekelhaft geworden. Abgesehen davon, dass es nicht mehr spannend ist wie in den 90er Jahren.
    Es ist ein riesen Tummelplatz für Vollidioten, Klugscheißer, Choleriker und Kriminelle geworden.
    Besonders durch die sogenannten “sozialen” Medien ist es den Menschen leichter gemacht worden, sich und ihre Welt nach aussen zu präsentieren.

    Auch dieses Healthy, Wellnes, Mode, Schickimicki-Getue hängt mir so dermaßen zum Hals raus.

    Genau wie Werbung, Cookiehinweise und Clickbaiting.

    Das schlimme daran ist, man kommt kaum noch drum herum. Einmal kurz nach irgendeinem Preis gegoogelt und schon verfolgt einen dieses Produkt.
    Eigentlich ist man mehr damit beschäftigt seinen Verlauf zu löschen, Cookies abzulehnen und irgendwelche Popups zu schließen, als dass man das genießen kann, weshalb man im Netz unterwegs ist.

    Mein Schwiegervater, über 80 Jahre alt, soll seine Photovoltaikanlage registrieren. NATÜRLICH im Internet. Weil man ständig überall davon ausgeht, das es vorhanden ist. Und das Registrieren war selbst für mich extrem ätzend und kompliziert.

    Homeschooling – wir haben hier auf’m Dorf, wenn es extrem gut läuft, 5-6 MBit down und 0,2 MBit upload.
    Ich kann nicht mal ein Fax senden, ohne dass die Verbindung gestört wird. Ständig Abbrüche.

    Es ist alles in Allem wirklich nicht mehr so toll, wie es einst begann.

    MEINES Erachtens gibt es mittlerweile mehr negative als positive Eigenschaften des Internets.

    Ja, ich nutze es auch. Ich versuche auch ständig DIREKT ans Ziel zu gelangen, ohne mich durch das halbe “world wild web” klicken zu müssen.

    • Nee, das ist mir dann zu viel Schwarzmalerei. Das Internet kann ja nichts dafür, dass die Infrastruktur in Deutschland in Sachen Netzausbau einfach beschissen ist – und dass du ein Fax benutzt … puh … ich dachte, die Zeiten hätten wir lange hinter uns gelassen ;)

      Auch was das Verfolgen durch Produkte angeht, die man sich mal angeschaut hat, ist prinzipiell nicht zwingend boshaft, sondern liegt an diversen technischen Reglementierungen und nicht ganz so smarten Marketingmenschen. Da steckt aber ja prinzipiell erstmal nicht die direkte Absicht dahinter, dass dir jemand schaden will.

      Ebenso würde ich nicht behaupten, dass die Menschen nur durch das Internet schlechter geworden sind. Viel mehr glaube ich, dass es die Arschlöcher schon immer gab, sie werden durch das Internet einfach nur sichtbarer. Klar, der eine oder andere lässt sich dann auch anstecken, aber das Internet allein als Ursache zu sehen, halte ich für falsch.

      Außerdem gibt es durchaus auch positive Seiten am Internet – das Schlechte ist einfach nur lauter und dadurch präsenter. Letztendlich liegt es ja an jedem selbst, ob er das Internet zu einem schlechteren oder besseren Platz macht.

      Und ja, ich gehöre zu denen, die nicht permanent ihren Verlauf und ihre Cookies löschen. Weil … is halt auch Quatsch.

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§219a!