Line sagt was zu: Instagram und Bloggerwelt im Gesundheitswahn?

Line sagt was zu: Instagram und Bloggerwelt im Gesundheitswahn?

Dass die Welt sich derzeit auf dem absoluten Gesundheitstrip befindet, erkennt wohl jeder, der soziale Medien nutzt. Detox, Clean-Eating, aber auch HIIT, diverse 30-Days-Sportchallenges (z.B.: Squats oder Burpees) und „In 10 Wochen zur Bestform“ sind Begrifflichkeiten, ohne die viele Blogs, Instagram-Accounts oder auch Zeitschriften gar nicht mehr auskommen würden und die fast jeder schon einmal gehört hat.

Ganz besonders gut aufgenommen wird dieser Trend hauptsächlich von meiner Generation. Anfang 20 bis Mitte 30, das sind nach meinen Beobachtungen die Hauptverfechter dieser neuen, radikalen, gesunden Lebensweisen. Wir wollen schön, schlank und gesund sein – eben in unserer persönlichen Bestform. Viele Programme im Internet und Fernsehen versprechen genau das und bilden seit ein paar Jahren eine völlig neue Branche. Personal Trainer und Coaches (oder auch einfach nur D-Promies, hinter denen (hoffentlich) ein großes Team von Ernährungs- und Fitness-Coaches steht) machen dich in nur wenigen Wochen fit, schlank und sexy. (Denn natürlich kann man nicht sexy sein, wenn man kein Sixpack hat und die Haut nicht straff ist… aber darüber kann an anderer Stelle diskutiert werden.)

Natürlich gibt es diese Programme und auch Detox-Kuren nicht erst seit gestern. Dennoch fällt zumindest mir eine sehr starke Entwicklung in dieser Bewegung auf. Immer mehr streben dem „neuen“ Schönheitsideal (trainiert und (somit) gesund) entgegen, machen mehr Sport, essen „clean“ und versuchen einen gesünderen Lifestyle zu leben. Täglich werden Millionen an Bildern zu diesem Thema auf Instagram hochgeladen, tausende Blogposts verfasst und hunderte Artikel gedruckt.
Auch ich finde diesen Trend durchaus interessant, sonst würde ich wohl gerade nicht darüber schreiben. Diese 10-15 Wochen Programme haben durchaus ihren Reiz, denn wer will nicht in kurzer Zeit (in den eigenen Augen) besser aussehen?

Und auch sich vegetarisch, vegan oder clean zu ernähren finde ich ziemlich spannend und könnte mir das für mich selbst vorstellen. Aus diesem Grund baue ich immer mehr Lebensmittel in meinen Alltag ein, denen nachgesagt wird, eine besonders gute gesundheitliche Wirkung auf den Körper zu haben. Sogenannte Superfoods, die in dieser Woche noch an anderer Stelle beleuchtet werden.

Line sagt was zu: Instagram und Bloggerwelt im Gesundheitswahn?

Ich stehe dem ganzen Trend allerdings im Zwiespalt gegenüber. Auf der einen Seite finde ich die Entwicklung wirklich gut – was kann daran schlecht sein, auf seine Gesundheit zu achten wie noch nie zuvor und dadurch fit zu sein? Gerade in der heutigen Zeit besteht der Alltag vieler Menschen aus Hektik und Zeitdruck, viel Arbeit und wenig Entspannung. Da greift man öfter mal zu Fertigprodukten, isst mittags mit den Kollegen Fast Food und abends noch laufen gehen – dazu können sich wohl die wenigsten noch motivieren. Und wenn dieser Trend mehr Menschen dazu bewegen kann, auf ihre Ernährung zu achten und sich mehr zu bewegen, dann finde ich daran absolut nichts verwerflich.

Auf der anderen Seite glaube ich, dass bei vielen die falsche Motivation dahintersteckt. Nämlich die Jagd nach einem Körper, der einem Ideal entspricht, der gesellschaftlich als schön angesehen wird. Oder vielleicht auch einfach Gruppenzwang. Schon immer gab es Ideale, die man mehr oder weniger vergeblich versuchte zu erreichen. Dass es nun ein Körper ist, bei dem die Muskeln trainiert sind, man ein Sixpack hat, dessen Haut straff ist, ändert letztendlich nichts daran, dass ihm viele aus „falschen“ Gründen nacheifern. „Healthy is the new skinny“ – das liest man auf Instagram unter vielen der entsprechenden Bildern. Doch oft wird in diesem Zusammenhang auch gesund mit schlank in Verbindung gebracht, was nicht unbedingt der Fall sein muss. Ein Sixpack und definierte Arme zeugen nicht zwangsläufig von einem gesunden Körper, andersherum ist ein undefinierter Körper nicht gleich ein ungesunder.

Wer sich clean ernährt nimmt nicht automatisch ab, wer einmal Detox macht, dessen Körper ist nicht automatisch gesund und wer zwei Mal die Woche laufen geht ist nicht automatisch fit. Wo Superfood draufsteht, ist nicht automatisch Superfood drin und nur weil man jeden Morgen einen ganz besonderen Entschlackungs-Tee trinkt, tut man dem Körper nicht automatisch etwas Gutes.

Aber wer sich genauer mit dem Thema beschäftigt, sich vor einer Detox-Kur über mögliche Nebenwirkungen informiert und auch danach weiterhin „clean“ ernährt, sich von einem Fitness-Coach zeigen lässt, wie genau Übungen ausgeführt werden oder bei Lebensmitteln anfängt, die Zutatenliste genauer zu studieren, kann mit diesem neuen Lifestyle tatsächlich Gutes für den Körper bewirken. Zumindest wenn man es langfristig durchzieht, konsequent und diszipliniert ist, gleichzeitig aber nicht zu hart zu sich selbst und Ausnahmen erlauben. Ich glaube, man muss sich mehr mit dem Thema auseinandersetzen, für sich selbst herausfinden, was einem gut tut und was eher weniger. Man sollte Blogposts, Artikel und auch Bilder eher als Anregungen sehen und nicht als Kaufempfehlungen und Must-Haves/-Do’s.

In erster Linie sollte aber die (in meinen Augen) richtige Motivation hinter dieser möglichen Lebensumstellung stecken. Man sollte vermehrt Sport treiben und sich gesünder ernähren, weil man sich selbst wohler fühlen möchte. Weil man es einfach nur für sich macht und nicht für die Anerkennung anderer. Weil es in erster Linie um die Gesundheit und eben nicht um Gewichtsverlust gehen sollte. Mittlerweile trinke ich fast jeden Morgen einen grünen Tee, habe Avocados und Haferflocken fest auf meinem Speiseplan etabliert und mache mehrmals die Woche irgendwelche Workouts Zuhause. Und zwar einfach nur, weil ich merke, dass es mir gut tut. Nach den kleinen Workout Einheiten von nur 15-30 Minuten fühle ich mich einfach wohl. Ich werde dabei nicht großartig Muskeln aufbauen und auch kein Gewicht verlieren, aber ich mag es einfach und solange ich Lust dazu habe, werde ich es auch weiterhin machen.

Ich denke, es ist wichtig, sich dabei nicht unter Druck zu setzen und wenn man Lust auf Schokolade hat, sie einfach zu essen. Wenn man Laufen gehen möchte, sollte man dies tun. Genauso sollte man faul auf dem Sofa liegen, wenn man mal keine Lust hat. Eine Balance zu finden ist dabei erforderlich. Sobald es allerdings in Stress ausartet, sollte man aber auch zurückschrauben können, auf seinen Körper hören und anschließend entspannter an die ganze Sache herangehen.

Abschließend sollte klargestellt werden, dass ich durchaus positiv denke über diesen Trend, der mittlerweile schon zu einer Lebensweise mutiert. Ich glaube einfach, dass bei manchen Menschen, die ihm nachgehen, die falschen Beweggründe hinter einer Ernährungsumstellung oder vermehrtem Sporttreiben stehen. An sich kann man aber gegen einen gesünderen Lebensstil nichts sagen. Es ist toll, gesündere Alternativen für günstiges Fast-Food zu suchen, sich zu bewegen anstatt vor dem Fernseher zu sitzen und mehr für das eigene Wohl zu tun, das heutzutage so oft zu kurz kommt. Wenn man zehn Wochen lang hart trainiert, sich an einen strikten Ernährungsplan hält und sich am Ende besser fühlt und zufriedener mit sich ist, dann finde ich, hat das Respekt verdient und man kann absolut nichts dagegen sagen. Das Gleiche gilt, wenn man eine Detox-Kur macht oder anfängt, sich dauerhaft clean zu ernähren. Die Priorität bei alledem sollte meiner Meinung nach aber wie schon erwähnt das eigene Wohlbefinden sein.

[Fitness Bild und Zitronen Wasser Bild via shutterstock.com]

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Sängerin, Gelegenheitsgenießerin, Fotografie-Liebhaberin, manchmal eine Herausforderung, literaturbegeistert, verrückt nach Sommer, Sonne, Strand und Meer, moralisch flexibel und gekommen, um zu bleiben. Alle Beiträge von Alina ansehen.

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